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Von heißen Eisen und lächelnden Pferdeköpfen

Am Montag, den 25 September 2017 ging es an der Heinrich-Hübsch Schule heiß her. - Sechs interessierte Meisterschüler aus der Klasse FMMK 17 nahmen an einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Ergonomie und Ökonomie beim Schmieden“ teil.

Bereits morgens wurden die Schmiedeessen von unserem Technischen Lehrer Manuel Gablenz im Beisein des Referenten Nico Runge von „Schmiedekurse und Events Nico Runge“  vorbereitet und angefeuert.

Als die Schüler dann zur vierten Unterrichtstunde in die Schmiede kamen, konnte es gleich losgehen.
Herr Runge stellte sich mit seiner Firma kurz vor, und erklärte seinen Werdegang hin zum Veranstalter von Schmiedekursen.

Die Kursteilnehmer schürten ihr Feuer an und passend zum Beginn der Veranstaltung ertönte der Probefeueralarm im Gebäude. Der Werkstattlehrer erklärte den verdutzten Anwesenden nochmals das Verhalten und den Fluchtweg .Vor allem für den ebenfalls überraschten Referenten.
Als die Gruppe gesammelt den Raum 005 verließ und sich alle fragten, ob der Feueralarm etwas mit der Rauchentwicklung in der Schmiede zu tun hatte konnte hierfür schnell Entwarnung gegeben werden, da der Hausmeister mit einem Handdruck-Feuermelder gesichtet wurde.

Nach der nicht planmäßigen Startverzögerung ging es dann endlich los. Mit einer einfachen Spitze an einem 12mm Rundstahl begannen die Teilnehmer den Kurs.
Die größte Frage dabei war, wer benötigt wie viele sogenannte „Hitzen“ (Aufwärmvorgänge im Schmiedefeuer) um seine Spitze fertig zu  bekommen.
Schmiedemeister Nico zeigte dann, wie man eine 120mm lange Spitze auf eine „Hitze“ schmieden kann.

 „Früher musste das alles ja deutlich schneller gehen beim Schmieden als heute, ein Nagelschmied musste in der Stunde 60 Nägel herstellen, da blieb keine Zeit den Stahl mehrmals zu erwärmen“ erläuterte der Referent. Heutzutage werden hauptsächlich nur noch ästhetische Zierelemente frei am Amboss geschmiedet.
Genau um solch ein Zierelement ging es bei der Veranstaltung. Wie stelle ich eine ansprechende Spirale, Zeit, Kosten und energiesparend her.

Herr Runge führte die Teilnehmer in das Wissen um den Umgang mit dem Schmiedehammer ein. Denn bei richtiger Handhabung sind 10.000 Schläge, mit dem Hammer am Amboss, pro Tag für den Schmied keine Herausforderung. Diese Leistung vollbringt jedoch nur, wer es schafft die physikalischen Gesetze die beim Hammerschwingen zum Tragen kommen (Energie = Masse ▪ Beschleunigung) auch richtig anwenden und für sich nutzen kann.

Nachdem die Kursteilnehmer auf einem Stück Holz die Auswirkungen des richtigen Schwungs mit dem Hammer erproben konnten ging es weiter mit der Spirale. Alle schmiedeten auf etwas mehr „Hitzen“ als Nico (wie wir ihn nennen durften) eine 120mm lange Spitze.

Danach wurde darüber diskutiert ob es denn möglich sei Schönheit zu berechnen. Schnell kam die Klasse darauf, dass mit dem sog. „goldenen Schnitt“ durchaus bestimmt werden kann ob, z.B. eine Spirale optisch ansprechend wirkt oder nicht.
So fertigten alle eine Spirale an und konnten dabei den Schwung mit dem Hammer, die richtige Körperhaltung und den Umgang mit dem Feuer weiterhin erproben. 

Zum Abschluss zeigte Schmiedemeister Nico eindrucksvoll, was passiert, wenn man es schafft Menschen für etwas zu begeistern.

 „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (Antoine de Saint-Exupéry, franz. Schriftsteller und Pilot).

Mit diesem Zitat erklärte Nico, was passierte, als er den Teilnehmer zeigte, wie man in nur drei Minuten und mit zwei „Hitzen“ ein lächelndes Pferd schmieden kann.
Ohne dass die Teilnehmer einen Arbeitsauftrag erhielten legten alle sofort begeistert damit los selbst einen Pferdekopf zu schmieden.

Jeder hatte die Sehnsucht nach dem“ weiten, endlosen Meer gespürt“ und wollte selbst kreativ schöpferisch tätig werden.

Alle Teilnehmer schafften es zusätzlich zu ihrer Spirale nach dem goldenen Schnitt ein Pferdekopf zu schmieden, der zwar nicht nach dem goldenen Schnitt geformt ist, jedoch dank einer Messingbürste immerhin golden glänzt.

Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmals an unserem Referenten Nico Runge, der die Veranstaltung bei uns unentgeltlich durchführte, da es ihm ein persönliches Anliegen ist sein Wissen weiter zu geben.
Denn wie heißt es schon auf seiner Homepage www.schmiede-erlebnis.de: „Wissen ist nur von Wert, wenn es weitergegeben wird!“